Lohnt sich die private Krankenversicherung als Zahnarzt?

Sehr oft werde ich gefragt: “Lohnt sich die private Krankenversicherung für mich als Zahnarzt?”.

Die Antwort auf diese Frage fällt mir schwer, da es auf viele Feinheiten wie:

  • Welchen Leistungsanspruch habe ich an meine Krankenversicherung?
  • Bin ich oft beim Arzt oder nur zur Vorsorgeuntersuchung?
  • Mache ich mich Selbstständig?
  • Wie ist meine Familienplanung?
  • Wie ist mein Partner versichert?
  • Will ich das zahnärztliche Honorar vom Versicherungsumfang ausschließen?
  • Welche Einkünfte erziele ich in den kommenden Jahren und im Ruhestand?
  • Wie viel Selbstbehalt möchte ich tragen?

Erst wenn diese Fragen erörtert sind, kann ich eine sinnvolle Empfehlung aussprechen.

Wie ist der Leistungsunterschied der privaten Krankenversicherung zur gesetzlichen KV?

Als Zahnarzt kennen Sie die Leistungsunterschiede auf Grund Ihrer Tätigkeit sehr gut. Dabei erzählen mir viele meiner Mandanten, dass ihnen der gesetzlich Krankenversicherte mit einer Zuzahlung oft lieber ist, als der privatversicherte Patient. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht kann ich dies gut nachvollziehen. Diese Denkstruktur ist aber nur als Zahnarzt sinnvoll.

In der Humanmedizin sind die IGeL Leistungen noch nicht so stark verbreitet und der Humanmediziner blickt etwas anders auf den Privatpatient.

Dies bekommen Sie oft schon bei der Terminvergabe zu spüren. Während der Privatpatient beim Radiologen innerhalb von wenigen Tagen einen Termin erhält, wird der GKV Versicherte ohne gute Kontakt meist etwas länger warten müssen.

Im Krankenhaus wird Ihnen ähnliches wiederfahren, dabei ist es aus meiner Sicht nicht so entscheiden, ob Sie im 1- oder 2-Bett-Zimmer liegen, sondern dass Sie die freie Arztwahl haben und Ihnen alle Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen. Brauchen Sie eine bestimmte OP oder ein teures Medikament, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Sie dies erhalten.

Wenn Sie in die private Krankenversicherung wechseln, dann sollten Sie dies nur machen, wenn bei Ihnen die Leistung im Krankheitsfall im Vordergrund steht.

Als niedergelassener Zahnarzt können Sie im Krankheitsfall nicht behandeln und wenn Sie der einzige Behandler in der Praxis sind, dann steht diese sogar still. Die Kosten laufen aber weiter. Natürlich fängt Ihr Krankentagegeld einen Teil der Kosten auf, aber in aller Regel nicht komplett. Das Wichtigste ist nun, dass Sie schnell wieder fit sind und zurück in die Praxis können.

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Ist die private Krankenversicherung als selbstständiger Zahnarzt sinnvoll?

Ja und Nein. Diese Frage lässt sich nicht isoliert beantworten sondern hängt mit den weiter oben aufgeführten Fragen zusammen. Auf Grund Ihrer Selbstständigkeit ist jedoch ein Wechsel die private Krankenversicherung möglich. Wichtig zu wissen ist: Sie müssen nicht in die private Krankenversicherung wechseln sondern können als niedergelassener Zahnarzt auch in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben, werden dann aber freiwilliges Mitglied. Was dies bedeutet, insbesondere im Ruhestand habe ich weiter unten aufgeführt.

Die GKV ist für Sie als niedergelassener Zahnarzt beim Krankentagegeld auf ca. 110 € pro Tag beschränkt. Im Krankheitsfall laufen die Kosten in der Zahnarztpraxis aber weiter. Daher ist mindestens eine Zusatzversicherung erforderlich. Mehr dazu erfahren Sie hier: Krankentagegeld für Zahnarzt.

Wo werden die Beiträge der privaten Krankenversicherung belastet?

Während die Beiträge bei der gesetzlichen Krankenversicherung bei Ihnen als angestellter Zahnarzt in der Regel direkt von Ihrem Bruttolohn abgezogen werden ist dies bei der privaten Krankenversicherung nicht der Fall.

Bei der privaten Krankenversicherung wird der monatliche Beitrag direkt Ihrem Konto belastet.

Sie erhalten jedoch von der privaten Krankenversicherung jährlich eine Arbeitgeberbescheinigung über den zu zahlenden Beitrag. Diesen Nachweis reichen Sie dann bei Ihrem Arbeitgeber und Ihr Arbeitgeber gibt Ihnen über die Gehaltsauszahlung einen Zuschuss. Dieser Zuschuss beträgt in etwa die Hälfte Ihres Beitrages bis zur Beitragsbemessungsgrenze.

Somit bezahlen Sie als angestellter Zahnarzt nur die Hälfte des Gesamtbeitrages. Da die Beiträge immer am 01. des Monats Ihrem Konto belastet werden und das Gehalt oft am Ende des Monats kommt ist es wichtig, dass immer ausreichend Guthaben auf Ihrem Konto ist.

Beim wem werden die Kinder mitversichert?

Sind Sie verheiratet?

Dann werden die Kinder / das Kind beim Partner mit dem höheren Einkommen mitversichert. Der monatliche Beitrag in der PKV liegt, je nach Versicherungsumfang, bei ca. 90 € – 140 € je Kind.

Gemeinsames Kind, aber nicht verheiratet

Sie können es sich aussuchen, bei welchem Partner das Kind mitversichert sein soll. Ihr Nachwuchs könnte daher auch in der Familienversicherung des gesetzlich versicherten Partners mitversichert werden. Dann sollten Sie aber eine Möglichkeit schaffen, dass Ihr Nachwuchs ohne eine erneute Gesundheitsprüfung in die PKV wechseln kann, falls die Heirat zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet.

Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung

Als Zahnarzt sind Sie mit Ihrer privaten Krankenversicherung nicht zufrieden und möchten wieder in die gesetzliche Krankenversicherung wechseln.

Dieser Wechsel ist an zwei Bedingungen geknüpft:

  1. Das Jahreseinkommen muss unter der Jahresarbeitsverdienstgrenze von 62.550 € liegen und
  2. der angestellte Zahnarzt muss jünger als 55 Jahre sein.

Für Sie als Rückkehrer in die gesetzliche Krankenkasse ist vorallem wichtig, dass Sie im Ruhestand in der Regel als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenkasse geführt werden und dies zu einer anderen Beitragsberechnung führt als bei “normalen” Rentnern der Deutschen Rentenversicherung. Diese sind in der Regel als Pflichtmitglied in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) versichert.

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Als Zahnarzt im Ruhestand freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung

Auf Grund Ihrer Versorgungsbezüge sind Sie als Zahnarzt in der Regel als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung geführt. Dies führt, im Vergleich zu Rentnern der Deutschen Rentenversicherung, dazu, dass Sie auf alle Ihre Einnahmen (bis zur Höchstgrenze von 4.687,50 € Stand 2020) im Ruhestand Beiträge für die GKV entrichten müssen.

Ein vereinfachtes Beispiel:

Vergleich Pflichtmitglied und freiwilliges Mitglied gesetzliche Krankenversicherung für Zahnarzt
Vergleich Pflichtmitglied und freiwilliges Mitglied gesetzliche Krankenversicherung für Zahnarzt

Bei gleichen Gesamteinkünften von 4.550 € sind für den Rentner der Deutschen Rentenversicherung als Pflichtmitglied nur 2.500 € für die Berechnung des Beitrages relevant. Für Sie als Zahnarzt und daher Rentner im Versorgungswerk und somit in der Regel freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung werden die Gesamteinkünfte von 4.550 € zur Beitragsberechnung angesetzt.

Wie Sie als Zahnarzt eine Altersvorsorge aufbauen erfahren Sie hier: Altersvorsorge Zahnarzt und Vermögensaufbau Zahnarzt

Versorgungswerk beteiligt sich nicht am Beitrag zur GKV

Für den Rentner der Deutschen Rentenversicherung wird die Versicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung noch etwas schmackhafter gemacht. Als Pflichtmitglied erhält dieser noch einen in etwa hälftigen Zuschuss durch die Deutsche Rentenversicherung zu seinem Beitrag. Andersherum formuliert zahlt er also nur den halben Beitrag.

Diesen Zuschuss zahlt das Versorgungswerk nicht, daher tragen Sie den Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung in voller Höhe selbst.

Dies führt zu seiner starken Verzerrung bei den Beiträgen!

In meinem vereinfachten Beispiel habe ich einen Beitragssatz zur GKV von 18% angenommen. Dieser setzt sich aus 15% Beitrag zur Krankenvericherung und 3% Beitrag zur Pflegeversicherung zusammen.

Der Rentner der Deutschen Rentenversicherung trägt daher einen eigenen Beitrag von weniger als 300 € (2.500 x 18% abzüglich Zuschuss). Sie als Zahnarzt, Rentner im Versorungswerk und freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen KV haben einen Beitrag von ca. 820 € (4.550 € x 18%) bei oben aufgeführten Einkünften im Ruhestand.

Daher ist meine klare Empfehlung:

Wenn Sie im Ruhestand Pflichtmitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, dann empfehle ich die gesetzliche Krankenversicherung mit evtl. Zusatzversicherungen.

Wenn Sie im Ruhestand frewilliges Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung sind, dann sollten Sie stark überlegen, ob die Vorteile der privaten Krankenversicherung die Nachteile überwiegen.

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